Immer wenn wir an Masai-Dörfern vorbei fuhren, schaute ich sehnsüchtig hinterher. Von Weitem sah man einzelne Boma (Hütten der Masai), die meine Neugier immer mehr weckten. Unterwegs sahen wir immer wieder einzelne Masai über die weiten Felder laufen, von einem Dorf zum nächsten, weite, lange Strecken, in denen man das nächste Dorf nicht sehen konnte.

Im Gegensatz zu den Nationalparks dürfen in den Schutzgebieten Masai leben und ihr Vieh halten. Im Ngorongoro Schutzgebiet gibt es auch keine Grenzzäune, lediglich grüne Grenzen.

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Wer sind die Masai?

Die Masai sind eine Völkergruppe aus Ostafrika, die im Süden Kenias oder im Norden Tansanias auf weiten Ebenen beheimatet sind. Sie gehören wegen ihrer Lebensweise, Kleidung und ihrer Beheimatung an den Nationalparks zu den bekanntesten Volksgruppen Afrikas. Etwa eine halbe bis eine Million Masai leben in Ostafrika. Außer ihrer Sprache Maa sprechen viele auch das Swaheli und Englisch.

Etwa um das Jahr 1550 wanderte das nomadisch lebende Hirtenvolk aus dem südlichen Sudan nach Kenia und Tansania. So dehnten sie in den folgenden zweihundert Jahren ihr Einflussgebiet aus. Im Gebiet des Riftvalley wurden sie zur wichtigsten Regionalmacht. Die Krieger der Masai waren sehr gefürchtet, sodass man jedem Konflikt mit ihnen aus dem Weg ging. Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Abstieg der Masai mit den Epidemien, der Rinderpest und mehreren Dürren. Durch die Hungersnot wurden große Teile der Bevölkerung getötet, und die Rinderpest dezimierte die Herde. In der Kolonialzeit wurden sie aus ihren Gebieten verdrängt, und so mussten die Masai sich in minderwertigen Reservaten ansiedeln. Ihr Land wurde von den Briten an britische Siedler verkauft.

 Die Religion

Die Masai glauben an den Schöpfergott Engai, der auf dem Gipfel des Vulkans Ol Doinyo Lengai  (der Gottesberg) in Tansania thront und mit dem Himmel und dem Regen verbunden ist. Die Vulkanausbrüche geschehen, wenn ihr Gott zornig ist. Die Masai glauben alle Rinder dieser Erde gehöre ihnen, weil ihr Gott sie ihnen überlassen hat. Alle anderen Viehbesitzer sind Diebe, denen man die Herde, wenn es sein muss, auch gewaltsam abnehmen kann. Dies führte damals auch zu vielen Kriegen.

Die Legende

Der Schöpfergott Engai erschuf einen Mann und eine Frau und schenkte ihnen hundert Kühe, Rinder und Schafe. Diese beiden Menschen bekamen drei Söhne. Als diese heranwuchsen, erhielten sie von den Eltern jeder ein Geschenk. Dem ersten Sohn wurde Pfeil und Bogen gegeben. So wurde er Jäger. Dem Zweiten gab man eine Hacke, und er wurde Landwirt. Der dritte Sohn, das Lieblingskind des Vaters, bekam eine Stange, um das Vieh des Vaters zu hüten. Später lebte er mit dieser Herde und kümmerte sich fortan um sie. Dieser jüngste Sohn wird als der Nachkomme angesehen, als Stammvater der Masai. So wird diese Legende von Generation zu Generation weitergegeben. Sie besagt, dass die Masai im Einklang mit der Natur leben, und die Beziehung zum Vieh der Ursprung für die Nahrung und Vollendung des Lebens ist.

Die Herde

In der Gemeinschaft der Masai ist die Größe der Herde von großer Bedeutung. Je größer die Herde, desto wichtiger  der Mann. Wer weniger als fünfzig Rinder hat, der gilt als arm. Ein Masai darf bis zu sieben Frauen haben, für die er jeweils fünfzehn Rinder bezahlt. Mit Hilfe der Frauen und Kinder hofft er, eine große Herde zusammenzubringen.

Vom Kind zum Krieger

Bis zur Beschneidung gehen die Jungen das Vieh hüten. Im Alter von 10-15 Jahren werden sie gemeinsam mit anderen Kindern ihrer Altersklasse beschnitten. Diese Zeremonie wird tagelang gefeiert. Nach der Beschneidung werden die Kinder zu Kriegern (Moran) ernannt. Dabei tragen sie schwarze Gewänder und bemalen ihre Gesichter mit weißer Farbe.

Wir besuchen ein Masai-Dorf

Am Ngorongoro Schutzgebiet hielten wir an einem Masaidorf, um dieses zu besichtigen. Dem Dorfältesten gibt man 50 US $ und lässt sich alles im Dorf zeigen. Manche würden sagen, es ist ja nicht authentisch, wenn man Geld dafür zahlt, wie Eintritt für eine Show. Ich denke anders. Das sind einzelne Dörfer, die auch vom Tourismus profitieren wollen. Warum nicht? Die Touristen wollen das sehen, und die Dorfbewohner lassen sich das bezahlen. Da es ein richtiges Dorf ist, in dem auch gelebt wird, finde ich das völlig in Ordnung. Ich war froh, dass ich so eine Möglichkeit bekommen hatte.

Der Empfang

Am Dorfeingang wurden wir erstmal mit Tanz und Gesang empfangen. Jeder trug sein Masai Shouka (Umhang der Masai). Tanzend gingen die Masai in das Dorf hinein und wir hinterher.

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Im Dorfzentrum bekamen wir mehr Tänze vorgeführt. Zuerst die Männer, die uns nacheinander ihre springenden Tänze vorführten. Das ist der bekannteste Tanz der Masai. Dabei sprangen die Morani (junge Männer) auf der Stelle, so hoch sie konnten. Hierbei wurde gezeigt, wie stark einer ist. Je höher einer springt, desto stärker ist er. Anschließend kamen die Frauen und tanzten in der Reihe und sangen dabei. Wer wollte, konnte mitmachen. Ich wollte natürlich nicht, denn ich machte lieber schöne Fotos.

Der Dorfälteste kam und führte uns in ein Boma, das sind die Hütten, in denen die Masai leben. Die Boma werden ausschließlich von den Dorffrauen aus getrocknetem Kuhdung gebaut, während ihre Männer auf die Jagd gehen oder das Vieh hüten. Überhaupt werden viele Tätigkeiten von den Frauen verübt. In einem Boma ist einmal der Platz des Mannes und ein Platz für Frau und Kinder. In der Mitte ist das Feuer zum Kochen. Zu den Mahlzeiten zählen Fleisch aus ihrer Viehzucht, Milch sowie Rinderblut vermischt mit Milch, das sogenannte Saroi. Das Angebot, das frisch zubereitete Blut zu kosten, lehnten wir dankbar ab.

Anschießend wurde uns vorgeführt, wie ein Masai Feuer macht.

Zum Schluss besuchten wir die Schulkasse. Als wir dorthin ankamen, fingen die Kinder an zu singen. Stolz und schüchtern zugleich präsentierten sie uns ihre Lieder. Ich gesellte mich zu ihnen und schon wurden alle Hände nach mir gestreckt, dass ich sie alle halten sollte. Dann nahm ich spontan ein Mädchen auf den Arm und andere wollten auch. Nach ein paar Kindern auf den Arm verabschiedeten wir uns von den Masai und fuhren weiter.

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Das war unser schönes Erlebnis in einem Masai-Dorf.

 

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38 Kommentare zu „Masai

  1. Liebe Selda!
    Ein wunderschöner Bericht mit atemberaubenden Bildern über Deinen Besuch bei den Masai. Finde es wirklich toll, dass Du diese Gelegenheit bekommen hast und sie auch genutzt hast. Vielen Dank für diese Eindrücke, alles Liebe Petra!

    1. Liebe Petra,
      lieben Dank für deine netten Worte. Für uns war das eine sehr schöne Gelegenheit, die Masai mal zu erleben.
      Liebe Grüße, Selda.

    1. Hallo Henrik,
      es war in der Tat etwas ganz Besonderes. Wir werden immer daran zurück denken.
      Viele Grüße, Selda.

    1. Liebe Sigrid,
      Danke für deine netten Worte. Es war auch ein unvergessliches Erlebnis.
      Liebe Grüße, Selda.

  2. Richtig, klasse, Dein Beitrag! Wer wagt sich schon heutzutage noch in solche Regionen ? Viele denken, dass man da überfallen oder von einer Schlange gebissen wird… dabei ist es Abenteuer pur. Danke!

    1. Liebe Sirit,
      das war ein organisierter Besuch. Liebend gerne wäre ich ins Landesinnere gereist, um dort die Einheimische zu treffen. Aber so war es auch schön.
      Liebe Grüße, Selda.

  3. Ich bin ja immer etwas zwiespalten, wenn ich sehe, wie einzelne Volksgruppen und Stämme touristisch vermarktet werden bzw. sich selbst vermarkten (müssen), um zu überleben. Wenn ich mir vorstelle, Gruppen fremder Menschen stünden in meiner Wohnung und würden auf ein exotisches Erlebnis warten, dass ich sie mit Tänzen begrüße und bespaße … weiß nicht, ob das noch viel mit Würde zu tun hat. Dennoch bin ich mir sicher, es war eine wertvolle Erfahrung für euch.

    1. Liebe Julia,
      das kann man nicht so sehen. Diese Menschen sind froh, dass sie auch vom Tourismus profitieren können. Besser gebe ich es ihnen, als in eine Organisation, wo man nicht weiß, ob das Geld auch da ankommt.
      Liebe Grüße, Selda.

  4. Liebe Selda,
    vielen Dank für den sehr schönen und interessanten Artikel und deinen persönlichen Einblick.
    Das muss eine unvergessene Erfahrung sein. Und die Bilder sind richtig toll, insbesondere das Titelbild gefällt mir sehr.
    Liebe Grüße
    Jenny

    1. Liebe Jenny,
      herzlichen Dank. Das war wirklich eine besondere Erfahrung, die wir nicht vergessen werden.
      Liebe Grüße, Selda.

  5. ein wahnsinnig toller und spannender Einblick! ich finde es toll, wenn man solchen Völkern noch ganz ungebunden und frei begegnen kann … in Nepal sind wir vor 3 Jahren in den Tälern wandern gewesen und haben dort auch solche „Ur-Völker“ getroffen – natürlich keine Masai 😉

    wir haben dann sogar bei ihnen geschlafen … ein tolles Erlebnis!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Liebe Tina,
      in Nepal stelle ich es mir auch sehr spannend vor. Das war bestimmt auch sehr beeindruckend.
      Liebe Grüße, Selda

  6. Liebe Selda,
    ein schöner Bericht, der mich auch an unseren Besuch bei den San in Namibia erinnert. Das frische Blut mit Milch hätte ich aber auch nicht herunter bekommen. Seid ihr die einzigen Gäste im Dorf gewesen oder waren noch andere Besucher dort? Waren das 50 US $?

    Lg Miriam

    1. Liebe Miriam,
      der Besuch bei den San in Namibia war bestimmt auch toll. Ich habe deinen Artikel darüber gelesen. Mit uns waren zwei Damen und eine andere Familie. Insgesamt waren acht Touristen in dem Dorf.
      Ja, das waren 50 US $. Danke für den Hinweis. Habe es gleich im Beitrag geändert.
      Liebe Grüße, Selda.

  7. Liebe Selda,
    was für ein spannender Bericht mit wieder mal tollen Fotos! Die Masai sind wirklich ein faszinierendes Volk! Vielen Dank fürs virtuelle Mitnehmen 🙂
    Liebe Grüße
    Kathrin

    1. Hallo Urlaubschrisi,
      Lieben Dank. Das war wirklich ein sehr tolles Abenteuer.
      Viele Grüße, Selda.

  8. Liebe Selda,

    ich finde es gut, dass die Massai wenigstens selber davon profitieren, dass sie Touristen ihre Lebensweise zeigen und nicht irgendeine Touristenorganisation.

    Liebe Grüße Gina

    1. Liebe Gina,
      genauso sehe ich das auch. Es kommt an die richtige Stelle an.
      Liebe Grüße, Selda.

  9. Liebe Selda,
    ich liebe deine Beiträge und ich liebe Afrika und wenn ich ehrlich bin, dann bin ich echt neidisch auf dich! Wundervoll, was du alles erleben durftest! Deine Bilder sprechen wieder Bände. Irgendwann habe ich vielleicht auch die Möglichkeit alles selbst sehen zu dürfen und bis dahin erfreue ich mich an deinen Berichten.
    LG
    Charnette

    1. Liebe Charnette,
      herzlichen Dank für die netten Worte. Dafür beneide ich dich wegen Botswana. Afrika hat mich auch gepackt. Das war mein erstes Mal.
      Liebe Grüße, Selda.

    1. Liebe Alex,
      ja, die Masai lieben kräftige Farben. Zwischen den Monaten Dezember und Mai, mit Unterbrechung im Januar, ist dort Regenzeit. Daher war alles im satten Grün.
      Liebe Grüße, Selda.

  10. Liebe Selda,
    was für ein schöner Beitrag und sicherlich ein unvergessliches Erlebnis. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt!
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Danke, Ines. Ja, es war ein unvergessliches Erlebnis. Das werden wir nicht vergessen.
      Liebe Grüße, Selda.

  11. Liebe Selda,
    ein wirklich sehr schöner Bericht… und mit Sicherheit ein ganz tolles Erlebnis.
    Alleine die Bilder sind natürlich schon sehr beeindruckend.

    Liebe Grüße
    Tanja

    1. Danke, liebe Tanja,
      es war ein unvergessliches Erlebnis, an das ich immer wieder denken werde.
      Liebe Grüße, Selda.

  12. Ein toller Bericht mit beeindruckenden Bildern! Ich habe viel gelernt über die Masai in deinem Beitrag.
    Deine Fotos mag ich übrigens ganz besonders gerne, speziell deine Portraits.
    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      herzlichen Dank für die schönen Worte.
      Liebe Grüße, Selda.

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