Wie  alles begann Teil II – Das rote Buch

Als ich das Buch öffnete, stand da alles in altdeutscher Schrift. Die Seiten waren vergilbt, und sie hatten leichte Flecken. Hier und da waren einige Wörter oder ganze Sätze mit Bleistift unterstrichen. Es weckte meine Neugier. Was hatte der Buchtitel „Der Spieler“ zu bedeuten? Ich fing an, hineinzulesen. Schwere Namen, unbekannte Darstellungen… Wiesbaden. Das klang deutsch. Je mehr ich darin las, umso gefesselter war ich. Ich kann mich leider nicht mehr an den Mann erinnern, dem ich die 2 D-Mark gab. Er war schon älter, aber mehr weiß ich leider nicht mehr. Den Fleck auf meinem Kleid hatte ich auch vergessen. Es war nicht mehr wichtig. Das Buch fest in der Hand haltend ging ich hinaus. Das Läuten der Glocke über der Tür kündigte mein Gehen an, für immer. Irgendwie kam ich wieder in die belebten Straßen und an meine Bushaltestelle. Wie und wo, ich weiß es nicht mehr. Diesen Laden sollte ich auch nicht mehr wiederfinden. Ich konnte nie mehr dort hingehen. Einige Zeit später begleitete mein Vater mich in die Stadt. Wir liefen ab der Einkaufsmeile die Straßen ab, aber wir haben diese Gasse mit diesem Laden nicht finden können, weil ich mich an nichts mehr erinnern konnte. Es sollte wohl so sein. Ich las dieses Buch immer und immer wieder. Es war mein Schatz. Es war was Besonderes. Und ich war in dieser Geschichte mittendrin.

Alexej Iwanowitsch wartet sehnsüchtig auf die große Erbschaft einer reichen Erbtante. Er lebt auf großem Fuß und ist Hauslehrer bei einem General. Ständig sendet er Telegramme nach Moskau, um sich nach dem Gesundheitszustand der Erbtante zu erkundigen. Man spürt ganz deutlich, wie verzweifelt Alexej ist. Verliebt in die Tochter des Generals ohne zu wissen, ob seine Liebe erwidert wird, soll er für sie spielen, um sie von den Spielschulden bei einem Franzosen zu befreien. Was als eine Gefälligkeit beginnt, wird später seine Leidenschaft. Hier wird die Atmosphäre des Ortes und die Menschen darin äußerst präzise beschrieben. Man kann es deutlich spüren, was sie fühlen. Als plötzlich die von Gesundheit sprudelnde Erbtante in Roulettenburg auftaucht und fast ihr gesamtes Vermögen verspielt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Alexei spielt wieder für sich und seine geliebte Polina. Seinen Rausch an dieser Spielsucht und den Drang zur Macht spürt man ganz deutlich als Leser.
Eine tragikomische Geschichte mit äußerster präziser Darstellung. Dostojewski entfaltet die Charaktere in den Gesprächen mit einer psychologischen Wirklichkeit.

Später kaufte ich mir, nach und nach, alle Werke Dostojewski‘s. Auch noch eine neuere Ausgabe von „Der Spieler“. Ich las auch die Biografie, denn ich wollte wissen, wer dieser Mensch war, der hinter all diesen Werken stand.

Dostojewski‘s „Der Spieler“ hatte mich an die Literatur gefesselt und meine Liebe entfacht. Ich denke, es führten mehrere Aspekte dazu: die Geschichte, die Erzählkunst und letzten Endes mein Mitleid zu Alexej und seinem Zustand. Ich wollte, dass er mit dem Spielen aufhört, ich wollte, dass er und Polina ein Paar werden.

Von dieser Zeit an besuchte ich fast jeden Sonntag einen Flohmarkt. Ich liebte es in den vollen Kisten herumzustöbern. Bei manchen standen die Bücher auf dem Tisch und man konnte diese sich besser anschauen. Meistens waren diese Bücher aber sehr teuer. Also blieb ich bei den Kisten, die meistens unten auf dem Boden standen, neben alten Möbeln, Puppen, Kisten mit Deckchen und Handarbeit. Auf den alten Tischen stöberte ich auch an den bunten Gläsern, Tassen mit Verzierungen, Silberbesteck, Schmuck aus vergangenen Zeiten… Ich stellte mir die damaligen Besitzer vor und malte mir aus, dass sie so waren, wie die Menschen in meinem roten Buch. Wenn ich dann eine Kiste entdeckte, kniete ich mich hin und fing an zu suchen. So hatte ich mal ein Brecht in der Hand oder fischte gerade ein Puschkin aus den verstaubten Kisten hervor. Manchmal erzählten mir die Bücher die Geschichte des Besitzers. In vielen standen der Name, eine Anmerkung, oder etwas persönliches. Wodurch sie mir noch wertvoller vorkamen. In der Zwischenzeit lernte ich Balzac, Puschkin, Gogol, Hesse, Brecht… kennen. Ich hatte meine eigene Welt gefunden, eine Welt, die wie für mich gemacht war. Mit lauter Büchern, die ich seitdem wie einen Schatz behandelte und aufbewahrte.  In die Welt der Bücher tauchte ich ein und war jedes Mal mittendrin.

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Wie alles begann Teil I

 

 

 

 

 

Kunst, Kultur und Natur – Chemnitz überrascht!

Auf den ersten Blick hinterlässt Chemnitz bei den meisten wohl eher einen verstaubten, grauen und langweiligen Eindruck. Wenn man aber mal genauer hinschaut, sieht man, dass es so schlimm gar nicht ist. In Chemnitz gibt es einiges zu entdecken!

Architektur
Das Chemnitzer Stadtviertel Kaßberg gehört zu den größten, zusammenhängenden Wohnvierteln mit Gründerzeit- und Jugendstilarchitektur in Deutschland. Besonders sehenswert sind die Majolika-Häuser. Majolika sagt man in Italien zur Insel Mallorca. Ebenso bezeichnet es Töpferware mit Zinnglasur. „Kunst, Kultur und Natur – Chemnitz überrascht!“ weiterlesen

Wie alles begann

Meine wirklich erste Berührung zur Literatur hatte ich als junges Mädchen.

Eines schönen Tages streifte ich durch die Stadt auf der Suche nach einer Entdeckung. Ich lief die Gassen mit den schillernden Bekleidungsgeschäften ab, schaute in die Schaufenster, lief in Gedanken weiter. Ich weiß noch genau, es war an einem Nachmittag im Frühling in den 80’er Jahren. Meine linke Hand haftete immer noch auf dem Fleck an meinem Kleid. Wieso musste ich unbedingt diese komischen roten Häppchen probieren? Jetzt hatte ich auf meinem neuen Kleid einen fetten roten Fleck, der aussah wie Blut. „Wie alles begann“ weiterlesen

Eine Fototour in Beelitz

Mit 15 war ich das erste Mal in einer verlassenen und halb ausgebrannten Villa einer Diplomatenfamilie in Bonn. Der Ort hatte etwas Einschüchterndes, nahezu Gespenstisches an sich. Faszinierend. Mit Fotografie hatte ich noch nichts am Hut. Meine Bekannte, die den Ort entdeckt hatte, verknipste drei Filme in einer halben Stunde. Ein paar Jahre später dieselbe Atmosphäre in einem verlassenen Wohnbungalow. Da hatte ich wenigstens eine digitale Kompaktkamera dabei. Wenn man in Berlin lebt, kennt man die 50 km weit entfernten Beelitzer Heilstätten zumindest dem Namen nach.

Das alte verlassene Lungensanatorium? Ja, genau. Gab es da nicht einen Mord? Ja, nicht nur einen. Ist es einen Besuch wert? Ja, und wie. „Eine Fototour in Beelitz“ weiterlesen

Mexiko

Nach Mexiko wollte ich schon immer. Schon als Jugendliche hat mich Mexiko sehr fasziniert. Damals besorgte ich mir sämtliche Bücher über die Geschichte, Kultur und Religion (es gab noch kein Internet). Hinzu kamen einige Romane, die in der damaligen Zeit spielten. Erst jetzt kam ich dazu, dieses Land zu bereisen, wenigstens ein Teil des Landes. Das war ein ganz besonderer Urlaub, da unser Sohn auch dabei ist.
In diesem Blog berichte ich über unsere Erlebnisse auf der Yucatan Halbinsel.

Unsere Route:
Flug nach Cancun. Ohne Stop geht es weiter nach Tulum. Nach zwei Nächten reisen wir mit Zwischenhalt in Coba nach Chichen Itza mit unserem Mietwagen. Nach weiteren zwei Nächten führt uns unser Weg nach Uxmal, wo wir auch zwei Nächte bleiben. Kurzer Aufenthalt in Izamal, dann gehts weiter auf die Insel Holbox.

„Mexiko“ weiterlesen

Ein Ausflug zum Wackelwald im Federseemoor in Bad Buchau

Das oberschwäbische Bad Buchau hat gleich mehrere einzigartige Ausflugsziele für Kinder und Naturliebhaber zu bieten. Zum einen gibt es da den Wackelwald. Hierbei handelt es sich um einen Wald aus Moorbirken, Kiefern, Fichten, Ebereschen, Faulbaum und verschiedenen Weidenarten. Der Untergrund des Wackelwaldes besteht, wie das gesamte Federseemoor aus weichen Sedimenten, die sich im Federsee während vieler Jahrtausende abgelagert haben. Die Bäume stehen auf einem ca. 20 cm dicken Geflecht aus Pflanzenwurzeln, die den Wald begehbar machen. Allerdings wackelt und schwingt der gesamte Boden und an manchen Stellen kann man selbst große Bäume zum schwanken bringen. Auf verschiedenen Schautafeln entlang des Weges wird den Kindern das Naturschutzgebiet Federsee erklärt und auf den Hochständen hat man einen tollen Blick über das gesamte Moor. Mit viel Glück, sieht man auch das ein oder andere Wildtier. „Ein Ausflug zum Wackelwald im Federseemoor in Bad Buchau“ weiterlesen

Heimat – Eine kleine Ode an die Pfalz

Ja, wir sind regelmäßig vom Fernweh geplagt und lieben es, die exotischsten Länder der Welt zu entdecken.

Doch genauso gerne kommen wir auch immer wieder zurück in die HEIMAT.
HEIMAT – das ist für uns die Pfalz:
Ein Weinanbaugebiet im Süden des Bundeslands Rheinland-Pfalz, von dem ca. 23.600 ha reine Rebfläche sind. Eine Region, die die meisten Sonnenstunden pro Jahr im Land verzeichnet. „Heimat – Eine kleine Ode an die Pfalz“ weiterlesen