Die vulkanischen Felsküsten Madeiras verbergen unter der Wasseroberfläche eine faszinierende Welt, die vielen Wanderfans völlig entgeht. Während die portugiesische Atlantikinsel vor allem für ihre dramatischen Landschaften und spektakulären Levadas bekannt ist, bieten die klaren Gewässer rund um das Archipel ein außergewöhnliches Revier für alle, die gerne mit Maske und Schnorchel unterwegs sind.
Warum Madeira ein besonderes Schnorchelparadies ist
Madeira liegt mitten im Atlantik und wird vom Golfstrom beeinflusst, was das Wasser ganzjährig relativ mild hält. Die Temperaturen bewegen sich meist grob zwischen 17 Grad im Winter und 24–25 Grad im Sommer, sodass du theoretisch das ganze Jahr über schnorcheln kannst.
Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, weshalb dich keine endlosen Sandstrände, sondern steile Klippen, Lavafelsen und kleine Buchten erwarten. Unter Wasser setzt sich diese Landschaft fort: Felswände, Höhlen, Plateaus und Spalten schaffen Lebensräume für eine erstaunliche Vielfalt an Fischen und anderen Meerestieren. Besonders markant sind die oft sehr guten Sichtweiten, die an ruhigen Tagen deutlich über 20 Meter liegen können.
Die besten Spots zum Schnorcheln auf Madeira
Nicht jede Ecke der Insel eignet sich gleichermaßen zum Schnorcheln. Wellen, Strömungen und der Zugang zum Wasser spielen eine entscheidende Rolle. Hier einige der beliebtesten und gut erreichbaren Gebiete:
Garajau Meeresreservat
An der Südküste bei Caniço liegt das Naturschutzgebiet Garajau, das als einer der Top-Spots zum Schnorcheln auf Madeira gilt. Der Zugang erfolgt entweder über eine Seilbahn oder einen steilen Weg hinunter zur Kiesbucht. Im geschützten Bereich sind Motorboote begrenzt, und das Fischen ist stark eingeschränkt, was die Fischdichte erhöht.
Hier kannst du mit etwas Glück große Zackenbarsche beobachten, die sich oft in Ufernähe zeigen, sowie zahlreiche Schwärme kleinerer Rifffische. Durch den Schutzstatus ist das Wasser häufig besonders klar, ideal auch für Einsteiger, die zum ersten Mal im offenen Meer schnorcheln.
Ponta de São Lourenço (Ostspitze)
Die karge, windige Ostspitze Madeiras ist landschaftlich spektakulär und bietet bei ruhiger See hervorragende Schnorchelmöglichkeiten. In geschützten Buchten rund um die Halbinsel findest du Felsformationen, Seegrasfelder und häufig Schwärme kleiner Fische.
Allerdings kann die See hier deutlich rauer sein als im Süden. Dieser Spot empfiehlt sich vor allem bei stabiler Wetterlage und möglichst wenig Wind, eher für fortgeschrittene Schnorchler oder im Rahmen geführter Touren mit Boot.
Funchal und Umgebung
Rund um Funchal und die südliche Küste finden sich mehrere Einstiegsstellen und kleinere Strände, von denen aus du direkt losschnorcheln kannst. Einige Tauch- und Wassersportzentren sind an Hotelbuchten oder kleinen Hafenanlagen angesiedelt und markieren häufig Hausriffe, die sich auch gut zum Schnorcheln eignen.
Für Reisende, die ohne Mietwagen unterwegs sind oder nur ein paar Stunden Meerluft schnuppern wollen, ist dies die bequemste Option: kurze Wege, Infrastruktur vor Ort und oft die Möglichkeit, sich spontan Ausrüstung zu leihen.
Porto Santo (Bonus-Tipp)
Falls du Zeit für einen Abstecher nach Porto Santo hast, lohnt sich ein Blick unter die Wasseroberfläche auch dort. Die Nachbarinsel bietet einen langen Sandstrand mit meist ruhigerem Zugang. Die Unterwasserlandschaft ist weniger zerklüftet als auf Madeira, dafür aber sehr angenehm für alle, die sich im Wasser noch unsicher fühlen.
Überblick: Schnorchelspots im Vergleich
| Spot | Geeignet für | Besonderheiten | Zugang zum Wasser |
|---|---|---|---|
| Garajau Meeresreservat | Einsteiger & Fortgeschrittene | Naturschutzgebiet, viele Fische | Seilbahn / steiler Weg |
| Ponta de São Lourenço | Erfahrene Schnorchler | Dramatische Landschaft, teils Wellen | Buchten, teils per Boot |
| Funchal & Südküste | Einsteiger, Familien, Kurztrip | Gute Infrastruktur, Ausrüstung vor Ort | Strände, Leitern, Hafen |
| Porto Santo | Vorsichtige & Familien | Langer Sandstrand, ruhiger Einstieg | Strand, flach abfallend |
Beste Reisezeit zum Schnorcheln
Auch wenn Madeira als Ganzjahresziel gilt, ist nicht jede Jahreszeit gleich angenehm zum Schnorcheln. Grob gesagt bieten späte Frühling, Sommer und früher Herbst die komfortabelsten Bedingungen.
- Mai bis Oktober: Meist wärmeres Wasser, längere Tage, oft ruhigere See – ideal für Schnorchler aller Erfahrungsstufen.
- November bis April: Frischere Temperaturen, gelegentlich stärkere Wellen und Stürme. Mit Neopren geht es zwar, aber eher für Hartgesottene und flexible Reisende, die auf gute Wetterfenster warten können.
Wer empfindlich auf Kälte reagiert, sollte selbst im Sommer zumindest über einen dünnen Shorty oder ein Lycra-Shirt nachdenken. Das schützt nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Sonne und möglichen Reibungen an Felsen.
Welche Meeresbewohner du sehen kannst
Die Unterwasserwelt Madeiras ist kein tropisches Korallenriff, dafür aber reich an atlantischen Arten, die in Felsregionen leben. Häufig anzutreffen sind verschiedene Brassen, Papageienfische, Lippfische, Trompetenfische, kleinere Barrakudas und gelegentlich Oktopusse.
Im Meeresreservat Garajau sind die großen, neugierigen Zackenbarsche fast schon ein Wahrzeichen. Mit etwas Glück kannst du auch Rochen oder Meeresschildkröten erspähen, besonders bei Bootsausfahrten zu etwas entlegeneren Plätzen. Wichtig ist, die Tiere nicht zu berühren, nicht zu füttern und respektvollen Abstand zu halten – für ihren Schutz und deine eigene Sicherheit.
Ausrüstung: Mieten, mitbringen oder kaufen?
Je nachdem, wie oft und intensiv du schnorcheln möchtest, lohnt sich ein anderer Ansatz.
Für Gelegenheits-Schnorchler
Wer nur ein- oder zweimal ins Wasser möchte, ist mit Leih-Ausrüstung oft gut bedient. In Funchal und mehreren Ferienorten an der Südküste bieten Wassersportzentren Masken, Schnorchel, Flossen und teilweise Neoprenanzüge an.
Achte darauf, dass die Maske gut sitzt, nicht drückt und dicht hält. Es lohnt sich, sie vor Ort kurz mit Wasser zu testen, bevor du zum Spot aufbrichst.
Für Vielreisende und Technikfans
Reist du häufiger ans Meer oder bist ein echter Wasserfan, lohnt sich eine eigene hochwertige Maske mit Schnorchel, eventuell auch mit optischen Gläsern, wenn du eine Sehschwäche hast. So bist du unabhängig und weißt, dass alles passt.
Viele erfahrene Schnorchler schwören zudem auf kurze, flexible Flossen und ein dünnes Neopren- oder Lycra-Oberteil – kompakt im Gepäck, aber Gold wert bei längerem Aufenthalt im Wasser.
Für Familien
Familien mit Kindern fahren meist am besten mit einer Mischung: eigene Masken für die Kids (damit nichts drückt und sie Spaß behalten) und je nach Bedarf gemietete Flossen oder Neoprenanzüge. Praktisch sind aufblasbare Sicherheitsbojen oder Schwimmhilfen, damit sich die Kleinen wohler fühlen und für andere im Wasser gut sichtbar sind.
Sicherheits-Tipps für verschiedene Reisetypen
Alleinreisende
Viele Solo-Reisende lieben Madeira wegen der Kombination aus Aktivurlaub und Ruhe. Beim Schnorcheln solltest du trotzdem möglichst nicht komplett allein unterwegs sein. Schließe dich einem kleinen Ausflug einer lokalen Tauchbasis an oder verabrede dich mit anderen Gästen aus deiner Unterkunft.
Informiere immer jemanden an Land, wo du reinspringst und wann du ungefähr zurück bist. Eine Signalboje oder eine auffällige Signalfarbe deiner Ausrüstung erhöht die Sichtbarkeit.
Paare mit wenig Zeit
Wenn du Madeira vor allem für ein verlängertes Wochenende oder als Workation-Ziel nutzt, bleibt oft nur ein kurzes Zeitfenster fürs Meer. Konzentriere dich auf gut erreichbare Spots nahe Funchal oder an der Südküste, wo du unkompliziert ins Wasser kommst.
Plane das Schnorcheln eher für den Vormittag: Das Meer ist dann oft ruhiger, und du hast danach noch genügend Zeit für Arbeit, Sightseeing oder Kulinarik am Abend.
Familien und Einsteiger
Mit Kindern oder unsicheren Schwimmern sind geschützte Buchten und flachere Einstiege die erste Wahl. Halte dich an Bereiche, wo man relativ nahe am Ufer bleibt und der Ausstieg leicht zu finden ist.
Leichte Schwimmwesten oder Auftriebshilfen nehmen viel Druck aus der Situation, sodass der Fokus auf Spaß und Entdecken liegt – und nicht auf der Anstrengung, sich über Wasser zu halten.
Digitale Nomaden und Vielreisende
Wenn du längere Zeit auf Madeira verbringst, kannst du Schnorcheln ideal in deinen Alltag integrieren: morgens eine Session am Meer, nachmittags Coworking oder Homeoffice. Suche dir eine Unterkunft mit gutem Zugang zur Küste und – falls möglich – in der Nähe eines Wassersportzentrums.
So kannst du im Alltag flexibel reagieren: An windigen Tagen bleibt der Laptop offen, an glatten Tagen wartet die Maske. Diese Balance aus Arbeit und Wasserzeit macht Madeira besonders attraktiv für Remote Worker.
Praktische Tipps für einen entspannten Schnorcheltag
- Checke Wetter und Wellenvorhersage: Hoher Wellengang oder starker Wind können selbst gute Spots unattraktiv oder unsicher machen.
- Schütze dich vor der Sonne: Im Wasser merkt man die Sonnenstrahlung oft zu spät. Ein langärmliges Shirt, Sonnencreme (idealerweise riffschonend) und eine Kopfbedeckung vor und nach dem Schnorcheln sind Pflicht.
- Respektiere Strömungen und Markierungen: Bleib in gekennzeichneten Badebereichen oder folge den Anweisungen der Guides. Wenn du unsicher bist, wie die Bedingungen einzuschätzen sind, frage Einheimische oder Wassersportanbieter.
- Nichts mitnehmen außer Erinnerungen: Steine, Muscheln und Lebewesen gehören ins Meer. Fotografieren ja, anfassen oder mitnehmen nein – so bleibt die Unterwasserwelt auch für andere erhalten.
Was du vor dem Abtauchen wissen solltest
Madeira ist kein klassisches „Postkarten-Strandziel“, sondern eine Felsinsel mit rauer, aber beeindruckender Küstenlinie – genau das macht das Schnorcheln hier so spannend. Wer bereit ist, sich auf Kiesbuchten, Leitern und manchmal etwas abenteuerliche Einstiege einzulassen, wird mit klaren Gewässern und einer überraschend lebendigen Unterwasserlandschaft belohnt.
Ob du als Solo-Reisender nach einem Moment der Stille unter Wasser suchst, mit deiner Partnerin oder deinem Partner einen aktiven Kurztrip planst, als Familie erste Schnorchelversuche wagst oder als digitaler Nomade deinen Arbeitsalltag mit Meerblick abrundest: Schnorcheln auf Madeira lässt sich flexibel in verschiedenste Reiseprofile integrieren. Mit etwas Planung, Respekt vor Meer und Natur und einer Portion Neugier wird jeder Sprung ins Wasser zu einem kleinen Abenteuer – und vielleicht zu einem der intensivsten Reiseerinnerungen von der Insel im Atlantik.
