Dublin Castle – Wo irische Geschichte lebendig wird

Wer durch die gepflasterten Höfe von Dublin Castle wandelt, betritt weit mehr als ein historisches Denkmal. Diese ehrwürdige Anlage im Herzen der irischen Hauptstadt erzählt von Wikingersiedlungen und normannischen Eroberern, von jahrhundertelanger britischer Herrschaft und dem triumphalen Moment der irischen Unabhängigkeit. Dublin Castle ist Zeugnis einer bewegten Vergangenheit und zugleich lebendiger Regierungssitz, in dem heute noch Präsidentschaftszeremonien stattfinden. Doch was macht diesen Ort so faszinierend, und wie lässt sich ein Besuch optimal gestalten?

Von der Wikingerfestung zur normannischen Burg

Die Geschichte des Geländes reicht weit über das Jahr 1204 zurück, als König John von England hier eine normannische Festung errichten ließ. Archäologische Ausgrabungen im Undercroft haben Teile der Wikingerverteidigungsanlagen freigelegt, die um 930 an dieser Stelle standen. Die Wikinger siedelten am legendären Dubh Linn, dem schwarzen Teich am Fluss Poddle, der der Stadt ihren Namen gab und in dem einst bis zu zweihundert Schiffe ankerten.

Die normannische Burg entstand als militärisches Bollwerk zur Sicherung britischer Macht in Irland. Von der mittelalterlichen Anlage ist heute nur noch der Record Tower erhalten, ein massiver Rundturm aus dem 13. Jahrhundert mit meterdicken Mauern. Im Undercroft können Besucher Teile der ursprünglichen Burgmauer mit einem Nebentor sehen sowie Stufen, die zum einstigen Wassergraben hinabführten, durch den der Poddle floss.

Die prächtigen State Apartments

Nach einem verheerenden Brand im 17. Jahrhundert wurde das Castle grundlegend umgestaltet. Das 18. Jahrhundert brachte die majestätischen State Apartments hervor, die heute das architektonische Herzstück bilden. Diese georgianischen Prunkräume dienten britischen Vizekönigen als Residenz und Regierungssitz.

Saint Patrick’s Hall gilt als großartigster Raum der Anlage und zählt zu den bedeutendsten Innenräumen Irlands. Der Ballsaal aus den 1740er Jahren beeindruckt durch die monumentale Deckenmalerei des italienischen Künstlers Vincenzo Waldré von 1788. Heute werden hier Präsidenten vereidigt, und verstorbene Amtsträger liegen hier aufgebahrt. Die Wände zieren noch immer die Fahnen des St. Patrick-Ordens, Irlands historischer Ritterschaft.

Der Throne Room entstand 1788 als Audienzsaal, in dem der Vizekönig im Namen des britischen Monarchen Gäste empfing. Der goldverzierte Thron wurde eigens für den Besuch König Georgs IV. im Jahr 1821 angefertigt. In diesem Raum wurden auch junge Adelige offiziell in die Gesellschaft eingeführt.

Das State Drawing Room diente den Ehefrauen der Vizekönige als formeller Empfangssalon. Der elegante rote Raum beherbergt ein bedeutendes Spätwerk des flämischen Meisters Anthony Van Dyck und wird noch heute vom irischen Präsidenten für Empfänge genutzt.

Architektonische Vielfalt entdecken

Die Chapel Royal verkörpert die gotische Erneuerungsbewegung des frühen 19. Jahrhunderts. Der Architekt Francis Johnston entwarf diese kunstvolle Kapelle, die am ersten Weihnachtstag 1814 als anglikanische Hofkapelle eingeweiht wurde. Trotz ihrer bescheidenen Größe verschlang der Bau ähnliche Summen wie Johnstons monumentales General Post Office. Die filigranen Steinmetzarbeiten und kunstvollen Schnitzereien machen sie zu einem architektonischen Juwel.

Der State Corridor aus dem Jahr 1758 verbindet die prachtvollen Empfangsräume in neoklassizistischem Stil. Dieser weitläufige Gang führte einst zum Privy Council Chamber, wo am 16. Januar 1922 ein historischer Moment stattfand: Die symbolische Übergabe der Macht vom letzten britischen Vizekönig an Michael Collins und die Regierung des Irischen Freistaats.

Praktische Besuchsplanung

Dublin Castle öffnet ganzjährig von Montag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 9:45 bis 17:45 Uhr, letzter Einlass ist um 17:15 Uhr. Geschlossen bleibt die Anlage nur vom 25. bis 27. Dezember und am 1. Januar. Führungen finden täglich zwischen 10:00 und 16:30 Uhr statt.

Tickets können bis zu fünfzehn Tage im Voraus online gebucht werden, was besonders in der Hauptsaison empfehlenswert ist. Eine begrenzte Anzahl steht auch am Besuchstag am Ticketschalter zur Verfügung. Erwachsene zahlen für den Eintritt inklusive Zugang zu den State Apartments und zum mittelalterlichen Undercroft, Familientickets für zwei Erwachsene und drei Kinder sind ebenfalls erhältlich.

Besucher haben die Wahl zwischen geführten Touren, die etwa eine Stunde dauern, und selbstgeführten Rundgängen, für die etwa dreißig Minuten eingeplant werden sollten. Bei den selbstgeführten Touren erhalten Gäste ein informatives Begleitheft mit Grundriss und Erläuterungen zu den elf Haupträumen der State Apartments.

Für unterschiedliche Reisetypen

Geschichtsinteressierte sollten unbedingt den Undercroft besuchen, wo die archäologischen Fundstücke die verschiedenen Besiedlungsphasen veranschaulichen. Die geführte Tour bietet tiefere Einblicke in historische Zusammenhänge und persönliche Anekdoten, die in keinem Begleitheft stehen.

Architekturfans profitieren von einem gemächlichen Tempo beim selbstgeführten Rundgang. So bleibt Zeit, die kunstvollen Rokokodecken in den State Apartment Galleries aus den 1750er Jahren zu bestaunen oder die harmonische Verbindung zwischen dem mittelalterlichen Record Tower und der neugotischen Chapel Royal zu bewundern. Der Apollo Room zeigt eine meisterhafte Stuckdecke von 1746, die aus einem nahegelegenen georgianischen Stadthaus gerettet und in elf Teilen ins Castle gebracht wurde.

Zeitknappe Städtereisende kombinieren Dublin Castle ideal mit den nahegelegenen Sehenswürdigkeiten. Trinity College, Christ Church Cathedral und die National Gallery liegen fußläufig. Hop-on-Hop-off-Busse halten direkt vor dem Castle. Die Chester Beatty Library im Castlegelände bietet mit ihren wertvollen Manuskripten und einem gemütlichen Café einen ruhigen Kontrapunkt.

Fotografiebegeisterte dürfen in allen Räumen fotografieren, Blitzlicht und Videoaufnahmen sind jedoch untersagt. Die Dubhlinn Gardens mit ihrem Wasserspiel zur Erinnerung an gefallene Polizisten bieten malerische Motive abseits der Prachtsäle.

Was vor dem Besuch wichtig ist

Dublin Castle fungiert als aktives Regierungsgebäude, daher können sich Öffnungszeiten und Raumzugänge kurzfristig ändern. Eine Online-Buchung minimiert das Risiko, vor verschlossenen Türen zu stehen. Große Rucksäcke müssen in Schließfächern verstaut werden, die im Eingangsbereich der State Apartments zur Verfügung stehen.

Die großzügige Treppe zu den oberen Räumen ist für die meisten Besucher kein Problem, doch wer nicht gut zu Fuß ist, kann das Personal um Zugang zum Aufzug bitten. Die Anlage ist zentral in Dublin 2 an der Dame Street gelegen und dank ihrer prominenten Lage leicht zu Fuß zu erreichen.

Das Garda Museum im Treasury Building und das Revenue Museum runden das Angebot ab, der Eintritt zu diesen Spezialmuseen ist frei. Wer mehr Zeit mitbringt, findet in der Chester Beatty Library außergewöhnliche Sammlungen islamischer, ostasiatischer und europäischer Handschriften.