Mian Shan 绵山

Mian Shan der „Seiden-Berg“ ist bekannt für seine atemberaubende Landschaft, aber auch für seine kulturellen und religiösen Eigenschaften. Bergklöster in schwindelerregenden Höhen treiben die Menschen Jahr für Jahr, den Seidenberg zu besteigen. Mian Shan ist der Geburtsort des Qingming Festes (Tag des Grabfegens), eines der wichtigsten traditionellen chinesischen Feste.

Nachdem wir Pingyao ausgiebig erforscht hatten, machten wir einen Ausflug zum Mian Shan am nächsten Tag. Etwa 40 km von Pingyao liegt Mian Shan, eine berühmte Stätte des Buddhismus und Daoismus. Von Pingyao wurden Touren dahin angeboten. Wir buchten so eine Ganztages-Tour von unserem Hotel aus. Von Pingyao bis Mian Shan dauerte die Fahrt etwa eine halbe Stunde.

Am Fuße des Mian Shan stand das Tickethaus. Wir kauften uns die Tickets und fuhren mit dem Bus hoch. Mit dem Ticket kann man mit dem Bus zu beliebigen Stationen fahren, aussteigen und wieder zusteigen, wie Hop-on Hop-off Busse. Die Busse fahren ständig, sodass man gar nicht lange warten muss. Die Stationen sind auf dem Plan, den man beim Kauf der Tickets bekommt, eingezeichnet. Eine sehr gute Sache. So hat man die Wahl, was man erkunden will und hat immer wieder die Möglichkeit, das zu ändern. Täuscht euch nicht mit der Zeit. Es ist alles zeitaufwendig.

Die Fahrt war ganz schön spannend, Serpentinen und schwindelerregende Höhen.

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Dragon Head Temple & Yu Detang

An der ersten Station sind wir gleich ausgestiegen. Dort erwartete uns der Dragon Head Temple und Yu Detang.

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Nachdem wir die erste Etappe gründlich besichtigt hatten, nahmen wir den nächsten Bus und fuhren zur nächsten Station. Man muss wirklich nicht lange warten. Die Busse fahren ständig und man bekommt in jeder Station auch was zum Trinken und irgend etwas zum Knabbern. Toiletten gibt es auch an jeder Haltestelle.

Daluo Temple & Apiary Spring

Daluo Temple
Daluo Temple

Das ging hier ganz schnell. Noch ein paar Fotos gemacht und dann ab in die Höhe Treppen steigen.

DSC09109Da müssen wir hin.

Ich hatte die Stufen nicht gezählt, aber es waren viele, sehr viele.

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Die Legende

清明节

Das Qingming (helles Licht) Fest – Totengedenkfest

Während der Frühlings-und Herbstperiode (722 bis 481 v.Chr.) gab es Kämpfe in den Jin Staaten um die Rangfolge der Könige. Chong’er, der Fürst, überlebte und entkam den schweren Kämpfen und flüchtete ins Exil. Dort blieb er mit seinen Anhängern 19 Jahre lang. Sie verweilten an einem verlassenen Ort, wo sie nach einer längeren Zeit nichts mehr zu essen fanden. Der Hunger trieb sie in Verzweiflung und Angst. 

Jie Zitui, einer der Gefolgsleute des Fürsten Chong’er konnte es nicht mehr ertragen, seinen Fürsten durch den Hunger leiden zu sehen. Er ging an einen abgelegenen Ort, schnitt ein Stück von seinem Oberschenkel und kochte daraus seinem Fürsten eine Suppe. Chong’er aß die Suppe und kam endlich wieder zu Kräften. Er wunderte sich woher Jie die Zutaten hatte. Als er erfahren hatte, was sein treuer Gefolgsmann getan hatte, war Chong’er so gerührt, dass er Jie eine Belohnung versprach. Nach 19 Jahren kehrte der Fürst Chong’er zu seinem Königreich zurück und gelangte als Herzog Wen von Jin Staat an die Macht. Nach der Machtergreifung ehrte er seine treuen Anhänger, vergaß dabei aber Jie Zitui. Ausgerechnet den Mann, dem er sein Leben verdankte. 

Eines Tages erzählten sie von den schwierigen Tagen und erinnerten sich an Jie und was er getan hatte. Der Herzog schämte sich, dass er seinen Lebensretter vergessen hatte und schickte sofort seinen Diener, um Jie Zitui einzuladen und ihn zu belohnen mit einem Titel. Da Jie nicht der Typ war, der nach Ruhm eiferte, lehnte er dankend ab. So entschied sich der Herzog Wen persönlich, ihn darum zu bitten und machte sich auf den Weg. Als Jie davon erfuhr, versteckte er sich mit seiner Mutter auf einem nahe gelegenen Berg, bevor der Herzog kam. Er weigerte sich, den Herzog zu treffen. Die Suche nach Jie blieb erfolglos. Keiner konnte ihn finden. 

In seiner Verzweiflung befahl der Herzog Wen den Berg in Brand zu stecken, um Jie herauszulocken. Doch Jie kam nicht raus. Drei Tage und drei Nächte später wurden zwei Leichen in einer Höhle unter dem Weidenbaum auf dem Berg gefunden.

Der Herzog hielt eine ehrenvolle Trauerfeier für Jie und seine Mutter, der nie nach Ruhm trachtete. Er befahl seinen Untertanen, an diesem Tag kein Feuer zu machen und nur kalte Speisen zu essen. 

Seit dem wird dieser Berg „Mian Shan“ genannt. Ein Jahr später kehrte der Herzog zum Gedenken an Jie Zitui auf den Berg zurück. Als er oben ankam, sah er den verbrannten Weidenbaum mit üppigen Blättern und Zweigen. Dies erinnerte den Herzog an den edlen Charakter des Jie. Von dieser Tatsache so bewegt, kehrte er das Grab und ernannte den Festtag Quingming Jie. 3 Tage und 3 Nächte darf kein Feuer gemacht werden. So wurden nur kalte Speisen zubereitet. Noch heute wird an dem Festtagen nur Kaltes gegessen.

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DSC09218.jpegVon der schönen Landschaft konnten wir nicht genug bekommen. Nun mussten wir die Stufen absteigen. Zum Glück ist alles stabil und breit genug.

DSC09225.jpegEndlich geschafft! Weiter ging’s zur nächsten Station. Aber erst wurde was geknabbert, getrunken und die nächste Toilette aufgesucht.

Ein leerstehendes Hotel mit einer traumhaften Aussicht.

 

Yunfeng Tempel

Wir stiegen gleich an der nächsten Station wieder aus. Auch hier stand ein fast verlassenes großes Hotel. Für was für Kapazitäten hier Hotels gebaut worden sind!!

Von hier ging es wieder hoch… Treppen steigen.

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Yunfeng Tempel
Yunfeng Tempel

DSC09302.jpegWeiter gehts…

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Dicui Pavillon

Zheng Guo Tempel

Quiankun Tower
Blick zum Quiankun Tower

Am Quiankun Tower

Leider konnte man den Turm nicht besteigen. Nur zur ersten Terrasse konnte man gelangen.

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Quixiang Valley

Hier war unsere letzte Station. Es war schon spät geworden, und wir mussten zurück. Leider konnten wir die Wasserfälle nicht mehr besichtigen.

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Hier gab es viele Restaurants, die aber alle geschlossen waren. Wir konnten nicht feststellen, ob diese zu anderen Jahreszeiten geöffnet werden. Die Seilbahnstation ist ebenfalls hier. Doch dazu hatten wir auch keine Zeit mehr.

 

Fazit: Wer nach Pingyao reist, der sollte auf jeden Fall eine Tagestour nach Mian Shan machen. Die Bergklöster zu sehen und diese wunderschöne Natur zu erleben, sollte man sich nicht entgehen lassen. Auch sollte man sich vorher mit den Etappen beschäftigen. Wer lieber die Wasserfälle und die Schluchten sehen möchte, der sollte auf die vorigen Etappen verzichten. Man braucht viel Zeit, um die einzelnen Klöster zu besichtigen, da man viele Treppen steigen muss. Manche Touristen sind bis zur letzten Station gefahren, um ihre Tour von hinten zu beginnen. Wir wollten die Bergklöster sehen und haben unsere Prioritäten darauf gesetzt. Doch dachte ich, wir könnten alles sehen. Das war aber an einem Tag nicht möglich.

 

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18 Kommentare zu „Hoch oben zum Seiden Berg – Mian Shan

  1. Liebe Selda,
    das klingt wie ein richtig toller Tag und die Landschaft sieht so fantastisch aus. Es sind die Bilder von genau solchen Landschaften, die mich nach China ziehen. Klasse, dass die Gegend mit diesen Bussen so leicht zu bereisen ist. Vielen Dank für den spannenden Bericht!
    Liebe Grüße
    Angela

  2. Wow, die Bilder (und natürlich der Bericht) sind Wahnsinn! Vielen Dank dafür! China war bis jetzt für uns ein schwarzer Fleck auf der Karte. Du hast ihn ein wenig ins Licht geholt. Beeindruckend!

  3. Mannomann, was stimmt eigentlich mit den Chinesen nicht, dass die Ihre Wanderwege immer so extrem an den Berg tackern müssen? Ich denke bei den Aufnahmen hier teilweise an den Huashan Mountain, wo ja teilweise nur Bretter an die senkrechte Felswand angebracht wurden. Völlig irre und ein Wunder das da nicht viel mehr passiert. Deine Fotos sind – wie immer – grandios und vermitteln ansatzweise einen Eindruck darüber WIE toll das dort vor Ort sein muss. Danke für’s zeigen und auch für die Geschichte dahinter!

  4. Liebe Selda,
    deine Fotos sind der Hammer!!! Das sieht ja super schön aus. Diese Tempel sehen so wundervoll aus. Danke für die vielen Infos und die Inspiration
    liebe Grüße
    Ines

  5. Hey Selda,

    wow! Was für gigantische Bilder, der Ort muss wirklich atemberaubend sein! Ich muss zugeben, dass wir uns mit China noch viel zu wenig befasst haben – da scheinen so einige Juwelen zu schlummern, die sich lohnen, entdeckt zu werden! Leider habe ich auch schon einige negative Berichte über China als Reiseland gelesen, aber die Landschaft und Kultur muss unbeschreiblich sein!

  6. Wow, was für beeindruckende und wunderschöne Bilder, liebe Selda!!
    Und Wahnsinn, diese Treppen! Da würd ich wohl meinen Mann nicht raufkriegen. 😀
    Liebe Güße
    Julie

  7. Liebe Selda,
    was für ein wunderbarer Bericht mit Wahnsinns Bildern!
    Nur zu gerne würde ich auch dort oben mal lang laufen oder sogar übernachten. Wobei, die Chinesen haben wirklich ein Händchen, solch ein traumhaftes Ambiente mit hässlichen Hotels zu zerstören.
    Liebe Grüße

    Alex

  8. Liebe Selda,
    ganz tolle Aufnahmen hast Du da. Da wird mir schon schwindelig beim Lesen des Artikels 🙂 Irre, wie man das geschafft hat dort an den Felswänden Kloster zu bauen! Der Dragon Head Tempel ist aber relativ modern oder? Sieht aber schon ziemlich cool aus. Solche Bergklöster sind ja auch ganz nach meinem Geschmack.
    Lg Miriam

  9. Ich stelle mir die Ruhe und Entspannung in solchen Bergklöstern großartig vor. Weit ab vom Alltag, Digital Detox und dieser Ausblick. Mehr Auszeit geht wahrscheinlich nicht, wenn man sich wirklich drauf einlassen kann und mag.

    Liebe Grüße,Katja

  10. Diese Treppen, das ist ja der Wahnsinn 😱

    Respekt, dass ihr die erklommen habt !!

    Sehr informativer Beitrag mit vielen Hintergrundinformationen 👍

    Liebe Grüße
    Isabel

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