Am Freitag stand für mich die Frankfurter Buchmesse auf dem Programm. Gewappnet mit einer Liste von Autoren, die ich antreffen wollte, fuhr ich mit Clara zur Buchmesse. Ihr wisst ja, ich habe seit kurzem eine Assistentin, die mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Unseren kleinen Mini One stellten wir auf dem Parkplatz Rebstockbad und fuhren mit dem Shuttlebus zum Messegelände. Haltestelle Halle 3, genau da wollten wir hin. Ich entschied mich für meine kleine Kamera, da ich nicht mit dem großen Fotorucksack herumlaufen mochte. Die kleine Fototasche wurde am Eingang kontrolliert, anschließend besorgte ich für meine Assistentin  eine Eintrittskarte die vergünstigt 14 Euro kostete.

In der Halle 3 war schon einiges los. Wir gingen schnell zum Stand vom „Der Spiegel“, weil dort einer der Autoren von der Shortlist im Gespräch war. Sie waren schon mitten drin. Wir verschafften uns noch einen guten Platz und hörten zu. Marion Poschmann, die Autorin von „Die Kieferninsel“ unterhielt sich mit Sebastian Hammelehne über „Haiku“. Haiku ist eine traditionelle Gedichtform in Japan. Es besticht mit seiner Schlichtheit. Marion Poschmann erzählte, dass sie für das Buch auch Haikus verfasst hat, obwohl man das im Deutschen sehr, sehr schwer tun kann. Denn das japanische Haiku, was so einfach daherkommt, sei ein sehr komplexes Gebilde.

Ihr Buch, die Kieferninsel, erzählt die Geschichte eines Privatdozenten, der gleichzeitig auch ein Bartforscher ist. Er reist Hals über Kopf, nach dem er geträumt hat, seine Frau würde ihn betrügen, nach Japan. Dort fällt ihm vom klassischen Dichter Basho die Reisebeschreibungen in die Hand. Ab da ist sein Ziel, wie die Wandermönche den Mond auf der Kieferninsel zu sehen. Noch bevor er startet begegnet er dem Studenten Yosa, der auch mit einem Buch reist. Aber sein Buch ist ein Buch der Philosophie hinter dem Selbstmord. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, um einen würdevollen Ort für das Vorhaben des Studenten zu finden.

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Das war wunderbar. Marion Poschmann hat eine sehr sympathische Art, sich auszudrücken. Es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören.

Wir machten uns weiter. Unterwegs blieben wir stehen, wenn wir was Interessantes sahen. Nahmen das eine oder andere Buch in die Hand und lasen den Klappentext. Am dtv – Verlag fragten wir nach John Strelecky. (Autor von „Das Cafe am Rande der Welt“) Uns wurde gesagt, er sei schon da. Die Dame schaute sich um und meinte, sie wisse nicht, wo er jetzt sei, aber er wäre leicht zu finden, weil er einen Hut trägt. Also hielten wir Ausschau nach einem Mann mit Hut. Nach einer Weile entschieden wir uns, weiter zu laufen und später wiederzukommen. Nachdem wir uns eine Weile an anderen Ständen umgeschaut hatten, gingen wir zurück zum dtv – Verlag und versuchen erneut unser Glück. John war immer noch nicht da. Also machten wir uns wieder auf und lasen in verschiedenen Büchern und schauten uns das Treiben in der Messehalle 3 an.

Wir probierten zum dritten Mal unser Glück. Eine der Damen meinte, sie wisse nichts Genaues und schaute auf ihre Liste. Eine jüngere Dame mischte sich ein und meinte, John hätte gleich Signierstunde und  müsste jeder Zeit da sein. Wunderbar, dachten wir uns und warteten am Signiertisch.

Endlich! Da kam er. Lächelnd lief er uns entgegen, nahm meine Hand in seine Hände und begrüßte mich ganz nett. So charmant, wie man ihn sich vorstellt, so ist er auch. Zuerst schrieb er nette Sätze in meine Bücher und dann gab es noch ein paar Fotos. Meine Assistentin machte Fotos mit uns. Später gesellte sich Root Leeb zu uns. Sie hat die Illustrationen der Buchcover gemacht. Root Leeb ist Schriftstellerin, Malerin und Illustratorin. Als wir fertig waren und gehen wollten, stand ein Mädchen zwischen John Strelecky und mir, seine Tochter. John stellte sie mir und Clara vor. Wir tauschten ein paar Worte, dann machten wir uns auf. Mittlerweile kam auch noch seine Frau dazu. Wir drehten uns um und sahen eine ganz normale, glückliche Familie. Wie schön.

Zum Glück war der Stand von der „Süddeutschen Zeitung“ gleich um die Ecke. Da wollten wir jetzt hin, denn da sprach der deutsche Buchpreisträger Robert Menasse mit Lothar Müller. Es war schon ziemlich voll hier. Man kam kaum durch. Ich schob mich ganz nach vorne und setzte mich auf den Boden. Meine Assistentin blieb hinten.

Er erzählte, um sein Buch „Die Hauptstadt“ schreiben zu können, sei er einige Jahre in Brüssel gewesen, um zu verstehen, wie die europäische Institutionen funktionieren. Vor allem aber warum es zum Teil nicht funktioniert. Und mitten drin im Buch läuft ein Schwein durch Brüssel, das den Blick der Medien von den wesentlichen Problemen ablenkt. Auf die Frage, warum er denn gerade ein Schwein für sein Buch verwendete, antwortete Robert Menasse: „Warum nicht?“ Die EU wird wie ein Schwein durch die Medien getrieben. Außerdem sei ein Schwein ein universeller Metapher. Es gibt vom Glücksschwein bis zur Drecksau alles, was im menschliche und soziale Lebens abdeckt. Das Friedensprojekt steht im Zentrum seines Romans. Ein Beamter wird beauftragt, im Zentrum des Geburtstagsfestes der Kommission, eine Kampagne zur Imageverbesserung der EU zu entwickeln. Er kommt nach einer Reise nach Auschwitz zu dem Plan,  dass doch Auschwitz die neue europäische Hauptstadt werden könnte. Auf die Frage: „Warum Auschwitz?“ antwortet er, weil das der Ursprung der Geburt der Europäischen Union sei. Wie so vieles scheitert, so scheitert auch diese Idee.

Ferner erzählt Menasse von einer seiner Figuren, die einen Ort besucht, der im ersten Moment erfunden klingt, den Robert Menasse aber tatsächlich bei seinem Brüsselaufenthalt selber besucht hat, was ihn sehr emotional berührte. Ein reicher Bürger, der bei seinem Kongoaufenthalt eine Frau kennenlernte, brachte diese mit nach Brüssel. Damals wurde er aus der Gesellschaft ausgestoßen. Die Frau starb sehr früh am Kindbett, und der Ehemann errichtete ein Mausoleum für sie. Dort war im Dach ein Stück ausgespart. Durch dieses Loch scheint immer am Todestag ein herzförmiger Spot auf den Sarg. Dieses Mausoleum ist heute verfallen, ein Mausoleum der bedingungslosen Liebe.

Eine andere Romanfigur ist der einzige, der Auschwitz überlebt hat. Er lebt in einem Altersheim in Brüssel und stirbt bei einem Terroranschlag in Brüssel. Den Terroranschlag, den Robert Menasse in seinem Roman beschreibt, erlebte er genau zu der Zeit, als er selber in Brüssel war. Er sagte: „Und ich war in Brüssel, als es stattfand, und mir ist es dabei nicht gut gegangen“. Wie verständlich, oder? Weil genau das passiert ist, was er fantasiert hatte. Wie kann das sein? Er plant einen Terroranschlag in seinem Roman und genau auf diese Weise passiert er auch und er erlebt es selber! Ein Raunen im Publikum. Auf die Frage warum in seinem Roman ein Polizeikommissar erscheine, sagte er, weil Brüssel nicht nur der Sitz der EU ist, sondern auch der NATO, was oft vergessen wird.

Für mich war es eine Bereicherung diesen großartigen Menschen anzutreffen. Ein Aufklärer unserer Zeit. Es ist ganz wichtig, in diesen schwierigen Zeiten solche Aufklärer zu haben.

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Jetzt konnten wir etwas Stärkung gebrauchen. Wir gingen raus aus der Halle an die frische Luft, holten uns einen leckeren Flammkuchen, was zu Trinken und setzten uns. Es war ein traumhaftes Wetter. Draußen ist auch immer was los, im Lesezelt, am Open Stage…

Anschließend war Halle 4 dran. Wir schlenderten und betrachteten die schönen Cover der Bücher. Beim Gutenberg-Museum Mainz in Halle 4.1 machte meine Assistentin ihr eigenes Kunstwerk mit der Frottagetechnik. Dann merkte ich, dass sie für heute fertig war, und wir beschlossen, nach Hause zu fahren.

 

Wieder draußen angekommen, bekamen wir noch gerade mit, wie Sebastian Fitzek am Open Stage ein Spiel vorstellte. Den Schluss schauten wir noch an, machten ein paar Fotos, stärkten uns mit einer Currywurst und fuhren nach Hause.

Das war ein sehr gelungener, schöner Tag, an dem wir viele Eindrücke mit nach Hause nahmen.

17 Kommentare zu „Meine Highlights auf der Frankfurter Buchmesse

    1. Hallo Linni,
      ja, ich habe es sehr genossen, diesen wunderbaren Autoren zuzuhören.
      Liebe Grüße, Selda.

    1. Hallo Conchita,
      bei mir klappt es auch nicht jedes Jahr. Aber wenn ich es einrichten kann, dann gehe ich hin.
      Viele Grüße, Selda.

  1. Was für ein toller Beitrag. Ich mächte auch gerne mal auf die Buchmesse, aber ich habe solche Angst vor der Menschenmasse, daher freue ich mich total über gute Berichte 🙂

    Lg

    Steffi

    1. Hallo Steffi,
      vielen Dank. Das ist sehr schade, dass du Angst vor Menschenmassen hast. Ist wahrscheinlich nicht einfach für dich dadurch auf einiges zu verzichten.
      Viele Grüße, Selda.

    1. Hallo Sarah,
      es war auch sehr spannend. Natürlich für den, der gerne und viel liest.
      Viele Grüße, Selda.

  2. Ich war noch nie auf einer Buchmesse … aber wenn ich deinen Beitrag so lese, möchte ich unbedingt mal hin. Deine Fotos und Erzählungen machen wirklich Lust.

    Liebste Grüße
    Verena

    1. Hallo Verena,
      Danke für dein Kommentar. Ich gehe ganz gerne auf die Buchmesse. Muss man natürlich auch mögen, damit man Spaß hat.
      Viele Grüße, Selda.

  3. Wenn die Buchmesse nicht so weit weg wäre, wäre sie ein jährlicher Termin für mich. Ich lese so gerne und liebe es, auf Lesungen zu gehen. Dabei lernt man so viele interessante Autoren kennen. Manchmal gehen wir auf Lesungen von Autoren, die wir nicht kennen und lassen uns überraschen, ob uns Autor und Buch gefallen. So haben wir schon vielen Büchern eine Chance gegeben, die sonst unbeachtet von uns im Regal geblieben wären.
    Ich war auf einer Lesung einer Autorin, die auch das Buch 111 Orte auf Sylt… geschrieben hat. Das war eines der tollen Erlebnisse.
    Liebe Grüße
    Regina

    1. Liebe Regina,
      Lesungen mag ich auch ganz gerne. Ganz schön finde ich auch, dass man den Autor hautnah erlebt. Schade, dass du es wegen der Entfernung nicht zur Buchmesse gehen kannst.
      Viele Grüße, Selda.

  4. Was für ein toller Bericht! Danke!!
    Und ich bin auch ein Menasse-Fan! ❤
    Nächstes Jahr möcht ich auch mal wieder zur Buchmesse fliegen. 🙂
    Liebe Grüße
    Julie

    1. Liebe Julie,
      wie schön. Ich mag Menasse auch sehr gerne. Wenn du nächstes Jahr zur Buchmesse kommen willst, dann treffen wir uns dort.
      Viele Grüße, Selda.

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